Die Lesebühne Reime Vernunft feierte am 06. Oktober 2016 den Tag ihrer Geburt. Sie ist das Ergebnis des Aufeinanderteffens sechs junger Poeten, die sich nicht nur durch die Liebe zum geschriebenen Wort, sondern auch durch Freundschaft einander verbunden fühlen.
Reime Vernunft kann durchaus als Aufforderung verstanden werden. Der Name dient, wenn überhaupt, richtungsweisend.

Aron Boks

Seine Heimat, der Harz, ist nur ein Nebenwohnsitz für revolutionäre Dichter und Denker. Er selbst lebt und wirkt in Berlin, studiert Germanistik und Geschichte und gehört zu den besten Jungpoeten des deutschsprachigen Raums. Durch seine Arbeit beim HALternativ e.V., einem Verein zur Förderung regionaler Künstler in Sachsen-Anhalt, ist die Gründung unserer Lesebühne erst ermöglicht worden. Der amtierende Meister im U20-Slam Sachsen-Anhalts erreichte unter anderem auch das Halbfinale bei den nationalen Meisterschaften im Poetry Slam in eben dieser Altersgruppe. In seinen Texten strebt er nach technischer und stilistischer Perfektion. Aron war es, der auf einer Slam-Tour im Frühjahr 2016 die Mitglieder von Reime Vernunft zusammenführte.

Darlyn Anabel Gutsch

Die gebürtige Neu-Brandenburgerin nennt sowohl Hamburg als auch Wernigerode ihre Heimat und ist das jüngste Mitglied von Reime Vernunft. Das Schaffen der Finalistin des Sachsen-Anhalt Slams siedelt sich zwischen Traumwelten, frecher Trivialität und philosophischem Denken an. Gerade diese Vielfältigkeit der Poetin erweitert das Feld der literarischen Ausrichtung unserer Lesebühne ungemein. Sie ist Schülerin, Teilzeit-Reisende, melancholieaffin und Rotweinliebhaberin. Ihre Natürlichkeit in Wortwahl, Stimme und Erscheinung erzeugen Mitgefühl und Nähe und geben die Möglichkeit eines kurzen Blickes hinter die Fassade.

Frederike Lehmann

Japanologiestudentin, Schachtalent, Whiskeyfreundin. Bedacht formuliert die Leipzigerin Texte mit  Tiefe und Emotionalität, bettet diesen Sturm und Drang in Standpunkte, die in fragender Erhabenheit den Leser und Hörer reizen und herausfordern. Als Halbfinalistin des Sachsen-Anhalt Slams und daraufhin sogar Teilnehmerin bei den nationalen Meisterschaften im U20-Poetry Slam überzeugt sie stets durch ihre leicht verwirrte, aber wettbewerbsfreie Art, das Publikum zum Lachen, Weinen oder Staunen zu bringen. Sie zeigt, dass auch Nichtraucher wirkvolle Kunst schaffen können.

Lukas Lindig

Was mit Populärcomedy begann, bewegte sich schnell zu Darstellungen philosophischer Alltagsszenerien und der zeitweiligen Beschäftigung mit der parabelhaften Inszenierung altertümlicher Mythen. Lukas sieht sich nicht als Poet, sondern vielmehr als Chronist seiner eigenen Gedanken. Diese sind beeinflusst von seinen eigengewählten Göttern Goethe, Oscar Wilde und gutem Weißwein. Wohnhaft in Leipzig erarbeitete er sich in kurzer Zeit den Titel des Vizestadtmeisters. Er behauptet, er studiere Germanistik und Philosophie, dabei ist es ein Lehramtsstudium für Deutsch und Ethik. „Einfach weil es cooler klingt.“ Durch das Variieren seiner Stimme und einen gewissen Charme vermittelt er in qualitativer Performanz seinen Themenreichtum: Sei es das Scheitern von Beziehungen, das Spannungsverhältnis zwischen Autor und Text oder bloßer Eigenzweifel.

Mike Blender

Sein Name ist Programm. Hinter dem öffentlichen Auftreten als Poetry Slammer verbirgt sich ein Grafiker, Maler, Fotograf und Schriftsteller nach ganz eigener Manier. Es wäre ein Fehlschluss, die Wurzeln seiner klangästhetischen Wortwahl im Germanistikstudium zu begründen. Sie ist vielmehr das Ergebnis seines Interesses an technikversierter, moderner Lyrik. Wer denkt, ihn verstanden zu haben, liegt falsch, und doch zwingen seine Texte, es zu versuchen. Seine Worte schaffen Bilder, die gehört zwar wirken, jedoch erst gelesen ihren vollen Umfang preisgeben. Dies alles passiert zwischen Alkohol und grauem Rauch, Wahn und Wirklichkeit, Illusion und hartem Realismus.

Ruben Jonathan Kröber

Rubens Leben ist geprägt vom Zwang nach Erkenntnis und Leidenschaft. Der Poet schreibt, um im Rezipienten die Wahrnehmung einer Alltagsästhetik zu wecken und damit ein tieferes Lebensgefühl zu schaffen; zum einen, zum anderen, um mit sich selbst klar zu kommen. Er gewann den U20 Grand Slam of Saxony und war Teil der nationalen U20-Meisterschaften Deutschlands. Ruben ist der Inbegriff einer geradezu schockierenden Wortvielfalt. Durch eine melancholisch und philosophisch durchtränkte Sinnhaftigkeit seiner Texte überzeugt der in Leipzig lebende Literat und Germanistikstudent auch noch den letzten Skeptiker und löscht den letzten Argwohn zwischen den Menschen mit ruhigem und gelassenem, doch zugleich mitreißendem Stimmeneinsatz.

Nehmen Sie das Gesagte nicht einfach für bare Münze.
Lesen und hören Sie selbst.