Linde

Wie schreibt man über einen den es nicht gibt
Den keiner wirklich kennt
Den die Welt nicht vermisst
Keiner der weiß wie man deine Nummer wählt

Wohnung steht offen
Kein Name mehr der zeigt
Wer hier wohnt , drei mal an die Holztür klopfen
Alles schweigt

Jedes Wort verstaubt unter der abgetretenen Fußmatte
Durch die Wände strömt Geruch
Den ich in der Nass hatte
Dann der Bruch

Keine Fotos über dem Küchentisch
Keine Volksmusik die einem Orchester glich
Kein Stimmen mehr, nur noch Schweigen
Keinen Grund mehr der Wohnung ein Lachen zu zeigen

Erinnerungen rennen wie tausend Ameisen von ihrem Bau aus der Tür
Wollen nur
Weg von hier
Wollen die Räume neu besetzen
Die Spiegel mit dem Dunst frischen Atems benetzen

Ja wie schreibt man die Biographie einer Unbekannten
Einer die gleich Vieler auf der Weltenerde stumm verbrannte
Wenn die Tage nicht mehr zählbar sind
Bist einfach weggegangen
Ohne zu sagen ,wo du deine Zeit verbringst

Die Fotos sind zu wenig um über dich zu schreiben
Keine Briefe, keine Post die Bilder aufzeigen

Wie schreibt man über einen, den es nicht gibt
Den keiner wirklich kennt
Den die Welt nicht vermisst
Keiner, der weiß wie man deine Nummer wählt
Und selbst wenn gibt es keinen der am anderen Ende noch erzählt

Nur noch reine Fiktion
Deine Silhouette an der Straßenecke Vision aus Schatten mit Einkaufstüten in der Hand mit dem Blick an die Himmelsdecke

Wo,
Du immer so sein wolltest
Zu dem bei dem du immer sein solltest

Und die Bilder füllen sich
Reicht nur für ein Vorwort
Deiner Biographie
Spieltest den Film für deinen Kreis , teiltest es nie

Das war nicht deine Art
Du hast mehr gesehen , mehr erlebt als ich es mir ausmalen kann
Doch wenigsten schreiben möchte ich’s
Verdammt , warum kann ich es nicht ?

Du hättest einen Brief schreiben können
Ne Karte es auch getan
Daran kann sich
Und ich schaue noch diese leere Wohnung an
Und mein Blick schweift
An die kahlen
Fasern der ersten Wand

Keine Bilder mehr
Ziehen keine Geschichten und Erinnerungen her
wolltest du vergessen werden ?
Nie was schlechtes getan
Vielleicht solltest du da sein und nicht die Vergangenheit vererben

Doch das ist ungerecht
Nichts geteilt bleibst ein Rätsel aus Gedankenfetzen , doch verstreut und nicht vernetzt

Alles war schwarz bei deinem Auszug aus dem Haus
Ein Stein reicht nicht aus
Wolltest oft alleine sein, bist nun unter Granit versteckt

Weggezogen , verschwunden

Da war kein Schmerz keine Wunden
Lachen bis zum Schluss
Vielleicht war das auch wertvoller
Als jeder Abschiedskuss

Wie schreibt man über einen den es nicht gibt
Den keiner wirklich kennt
Den die Welt nicht vermisst
Keiner der weiß wie man deine Nummer wählt

Vielleicht muss das nicht sein,
Wirst gesehen wenn man über dich erzählt
Und besuchst jeden allein

Vielleicht hast du keine Alben über dich
Kein Buch als Lebensbericht
Doch das ist ein kleiner Brief
Über das Leben und dass die Welt dich nicht kennt , ein Stück davon dich vermisst
Aber immer von dir gesprochen wird
Und man dich so
niemals vergisst.