Gehbier
Ein Schauspiel in drei Schlücken

Prolog

Zwei junge Männer
Stehen auf der Straße
Der eine am Ende
Der andere am Anfang seines Deliriums
ein kurzer Gedankenaustausch
Dann dreht sich der eine um
Und zeigt hektisch auf ein leuchtendes Schild
Was schon immer als der Therapeut für nicht aussprechbare Dinge gilt
Es wirkte so einladend, oasengleich mit roten Buchstaben
Stand es lockend darauf

,,Gebt uns euer Vertrauen, wir geben euch Wärme
Ihr örtlicher Spätkauf “

Zwei Bier bitte
Gehbier
Jetzt stehen wir hier
Und verlassen mit kühlen Händen das stumm vertraute Revier

Sie verlassen den Spätkauf
Und dann plötzlich geht dem einen der Mund auf
Und nimmt einen Schluck und sagt
endlich
Warum er so guckt , was ihn so plagt

Schluck 1

Ich hab das Gefühl
Das Gefühl
Die versteh’n mich nicht
Spüren nicht die Schärfe des Gedankenzackens, der aus meiner noch jungen Krone herausbricht
Licht
an , bin wie ein rohes Stück Fleisch
Seht , ihr Löwen, das ist alles was ich denken kann
Ich gebe euch mein Wort
Ihr habt die Wahl tragt es in eurem Herzen fort
ich rede vom Leben
Vom nehmen und geben
Vom nehmen und geben
Ich gebe euch mein Wort
Ihr ihr zertretet es mit eurem Missverständnis
Denn ihr tragt es zum Schaffort

Schluck 2

Wobei ich denke , das ich mit Bescheidenheit sagen kann
So haben schon viele vor uns angefangen

Ich wette Schiller hat genau so wie ich dich Goethe nachts einmal angerufen
Mit einem frühzeitlichen Drahttelefon

,,Ey kannst du mich mal abholen
Der Auftritt war scheiße, ich bin außerdem tierisch besoffen
Und das Schlüsselloch habe ich auch nicht mehr getroffen
Aber… Alter.. gib mir mal 1, 2 weitere Tage und dann
begrüßt mich der Pöbel mit goldener Fanfare

Und ich wette, Grass hat auch Böll einmal gesagt
Alter , die Lesung eben, das war nicht mein Tag
Und Reich-Ranicki der Hund, hat mein Buch nur nicht verstanden
So schnell kann man halt wieder auf dem Boden landen

Aber dennoch verkannten
die meine Botschaft
Und ich weiß auch nicht, was mir dabei solche Not schafft
Aber ich denke eben groß
Und komme daher vielleicht nicht von meinen Erwartungen los
Was bringt dir der Stift wenn er nichts schönes schreibt
Es verbleibt am Ende alles so wie es ist
Einheitlich, gleich, grau und trist

Schluck 3

Der Andere der die ganze Zeit nur Stumm in seiner Ecke saß
Mit jedem Schluck ein Stück des anderens Fassade abbrach
Weil er sein wirkliches Problem erkannte
das was schon so vielen abertausenden jungen Menschen auf der Seele brannte
Was sie bremste, was sie still werden ließ
Und das letze Feuer aus ihrem Herzen blies

Diese ganzen Reden
Diese Worte über das Leben
Bewegen in mir nur ein Ausmaß an Missmut
Eine gewisse Selbstkritik ist gut
Aber man sollte nie von sich selbst zu wenig halten
Eher anfangen zu gestalten
Und seinen Blick nach vorne zu halten
Denn schau was du sagen kannst

Das Wort kann mächtiger sein als das Schwert
Und schreibst du es , malst es oder sprichst es zu jemandem
Gibst du dem Wort seinen Wert
Also werd
dir endlich bewusst
Das, was aus dir kommt, gesagt werden muss

Denn wenn du denkst, dass du
zu klein bist
dich keiner hörst
und du nichts aussagen kannst
Warum höre ich mir dann seit 5 Minuten deine Gedanken an

Versteh , ein Schreiber braucht nur einen Stift
Redner nur ihre Stimmen
Also ziehen wir los, machen weiter
So lange Augen lesen können, Ohren uns hören , können wir nur gewinnen
Und so tranken sie aus
Und der einst geplagte junge Mann
Hörte nie wieder mit dem Glauben auf

Denn Manchmal braucht es
Um wieder auf den richtigen Weg zu kommen
den Goethe zum Schiller,
den richtigen Spruch auf dem Schild oben drauf
Oder einfach einen Freund, den richtigen Gedanken

Das Gehbier vom örtlichen Spätkauf.

Aron Boks