Es ist noch gar nicht lange her,
da dacht ich, Lieben sei nicht schwer.
Ich verliebte mich dreimal pro Tag,
in Musik, in Menschen und Brokat.
Ich verliebte mich und war so glücklich,
ich mochte jede Kleinigkeit,
nahm auf Einzelheiten Rücksicht,
doch einzig und allein für einen Augenblick,
denn meine Liebe war nur flüchtig,
sie war ein landstreunender Taugenichts,
einsam, aber glücklich.

Von Mal zu Mal sah ich ein Paar
on the road, zu zwei auf Fahrt,
dann nahmen sie mich mit ein Stück
und ich besetzte die Rücksitze.
Einer steuert, einer navigiert
und mich bemerkte man nur, wenn man zurückblickte,
ich saß da stumm und schüchtern
und ertrug das nicht mehr lang, jedenfalls nicht nüchtern,
denn da saßen zwei, auf gleicher Höhe, einander nebenan
und es gehört dem Einen, was der Andere ihm geben kann.
Sie fahren ihren Weg entlang,
bleiben beieinander ein fucking ganzes Leben lang.
Ich saß da und sagte stumm zu mir:
Das ist doch was, wonach man streben kann.
Auch wenn ich sonst nichts weiter schaffe,
mach ich das jetzt tüchtig.
Dann bin ich nicht mehr einsam,
dann bin ich nurmehr glücklich.

Ich dachte also nach,
an meine letzte große Liebe,
was ich mir damals versprach,
sie war das Paradies der Diebe.
Ich konnte mich an ihr bereichern,
wenn ich auch zuließ, dass sie nahm.
Unsere Taschen wurden leichter,
unsere Herzen arm und lahm.
Es endet nur in Scham,
was in wildem Wahn beginnt.
Wer einen anderen vergöttert,
ist für den Menschen in ihm blind.
Ich saß hinter zwei Liebenden,
die auch nur Menschen sind.
Ich fragte sie, was sie denken,
um zu schauen, ob das, was ich denke, stimmt.
Sie hielten für mich an,
wir setzten uns ins Freie,
Gleiche unter Gleichen,
doch ich immer noch ein Laie.
Ich schaute nur und schwieg,
wusste nicht wie ich mich einbringe.
Sie fingen an zu sprechen
und klingend sprangen wohlgewählte
Worte an mein Ohr wie
Quellwasser zu frischen klaren Bächen.

Sie sagten
Grundlegend geht es um drei Dinge:
Disziplin, Konzentration und, Geduld.
Lieben ist eine Kunst.
Ohne Disziplin lernt man nur umsonst.
Dein ganzes Leben soll so sein.
Was du machst, das mach richtig.
Disziplin macht dich weitsichtig und stark.
Willst du immer lieben,
brauchst du Selbstkontrolle, an jeden Tag.
Ohne diese musst du scheitern,
aber keine Sorge, auch wer scheitert wird gescheiter
und auch durch Fehler kommt man weiter.
Ohne Disziplin zerfällt alles in Chaos,
dann fehlt Konzentration.
So kommen wir zur nächsten Station:
Die Konzentration.
Eine Vorbedingung für die Meisterschaft einer jeden Kunst.
Dies bedarf keines Beweises.
Jeder, der eine Kunst zu lernen versuchte, weiß es.
Lerne dich zu fokussieren,
nur eine Sache darf passieren.
Betrachte vorerst nur dich selbst,
bekomme für dich ein Gespür.
Du entscheidest, was du konsumierst.
In der modernen Zeit sind wir begierig und bereit
einfach alles zu verschlingen,
wird dir nichts bringen, ich sage dir, das wird dir nichts bringen.
Die Gesellschaft schafft zu viele Reize.
Stell mal die Musik ab, räum mal auf,
erst dann wird es um dich leise.
Nun, lerne konzentriert allein für dich zu sein,
nur du, keine Musik, kein Rauchen, lesen, zappeln, reden.
Lerne nur mit dir zu sein.
Das ist noch immer einfacher als ein Leben zu zweit.
Denn das braucht Zeit.
Mit Zeit kommt Geduld.
Die letzte Voraussetzung, die du lernen sollst.
Vergiss mal die Geschwindigkeit.
Versuchs mal mit Entschleunigung.
Erst dann bist du bereit für echtes Lieben bis in Ewigkeit,
für innere Erneuerung.
Lerne Contenance, lerne ruhig zu atmen.
Konzentriere dich, doch achte nicht aufs Warten,
und eines will ich noch vorweg sagen:
Unsere Beziehungen nehmen Besitzcharakter an.
Doch es geht nicht um das Haben,
Liebe ist ein Verb, nicht nur ein Gefühl,
es geht dabei um Taten.
Es geht um Achtung vor dem Anderen,
Demut, Fürsorge, Glaube, Mut.
Dies alles musst du erst verstehen,
verinnerlichen, hineinwachsen.
Denn Lieben kann nur der Unbefangene gut.
Liebe ist etwas, das man in sich entwickelt,
nichts, dem man verfällt.
Vergiss deinen Narzissmus,
Narzissten brauchen Geld.
Außer Liebe haben diese allerhand.
Wen du liebst, dem hilfst du,
dass er wachsen, sich entfalten kann.
Liebe ist ein Kind der Freiheit,
niemand kann sie begreifen,
doch kann man sie erkennen.
Erst dann kann man Liebe auch benennen.
Und, Liebe ist kein Wahn zu zweit,
sie ist nicht exklusiv.
Und das ist der große Trugschluss,
Die Kluft zwischen Lieben und verliebt.
Wenn ich wahrhaft liebe,
liebe ich alle Menschen,
so liebe ich das Leben,
so liebe ich die Welt,
so liebe ich in dir auch mich selbst.

Mit offenen Augen voll hoffendem Glauben blickte ich nach vorn,
sah die Fehler der Vergangenheit hinter mir verdorrn
und die süße Frucht der Liebe schickte ihre Sporen
und ließ alles neu erblühen.
Selbst Lüge, Hass und Zorn waren nicht verloren,
auch auf ihnen wuchs das Grün.