Ich fang‘ dann mal an und will weiter machen,
bis ich endgültig scheitere oder es schaff
die Zeit einzuteilen, nicht zu verweilen noch vor zu eilen, sodass
ich keinen Breitengrad des Erdenrund, der Leidenschaft verpass.
Ich will sagen können, ich habe mein Leben in Ordnung gebracht.
Ich würde gesund mit jedem Sonnenstrahl,
es wäre sonderbar, wenn ich einst beende, was ich heute begonnen hab.
Die Zeit schweigt nicht, ist nur Illusion.
Manchmal nehmen wir uns selbst zu wichtig, das glaube ich mir gern.
Wer sind wir schon.
Wir sitzen mit Mützen in der alljährlichen Hitze rum,
schwitzen uns die Hintern wund
und sind authentisch faul,
doch authentisch, das war Hitler schon
und Prokrastination führt nicht zu Veränderung.
Also fange ich an, ich bearbeite mein Umfeld
und mal die vielen Wände bunt,
ich sprenge die Grenzen der Kunst,
ich baue blaue Meere auf Asphalt und Schutt
und Betonblumenbäume blühen auf, werden groß
und transluzide Träume treiben auf grauem Putz
und Pilzsporenwolken leuchten in der Luft,
so bunt und lebendig, dass ein jeder Blinder summt.
Ich zeichne ideale Welten auf den ideellen Hintergrund,
höre plötzlich die Wahrheit aus einem vierjährigen Kindermund,
vermale und verliere mich in kunterbunter Unvernunft
und scheitere. 

Wie soll ich es schaffen, wenn ich nicht mein Wissen erweitere.
So lese ich vom Lernen, vom Horizonte sprengen.
Ich verschlinge jedes Wort, jede Seite,
jedes Buch aus jedem Gang jeder Bibliothek,
jedes Zeichen, jede Zeile
werd‘ ich mir auf meinen weiten Reisen bleibend einverleiben,
doch ohne zu denken.
Ich schlucke sie mit Pfeffer und Salz,
Gabel, Löffel, Messer, Gewalt,
gebraten, im Fett frittiert,
bei Kaffee und Kippe, karamellisiert.
Ich verzehre den süßen Kristall,
die Essenz allen Wissens –
getrübt mit Halbwahrheiten und Komplettlügen.
Ich überlebe unüberlegt in Bibliotheken,
von draußen starren Leute in mein Tiergehege.
Ich sitze mit Drei-Meilen-Bart, mein Hirn qualmt vollgefressen,
grüble früh, spät, ständig, immer wieder über folgendes:
kann ein Mensch so viele Fakten verknüpfen, dass er die Welt und wirklich alles versteht?
Für die Antwort auf die Frage fehlt mir Hirnkapazität
und ich scheitere.

Ich hab‘s nicht geschafft, doch ich gebe nicht auf,
also gehe ich raus und rasiere den Bart ab und kaufe gute Klamotten.
Ich denke, ich hab die Wahl mit unendlichem Kapital.
Ich besorg mir ’nen Job mit hohem Lohn und Luft nach oben,
ich fliege empor, überhole Idole,
ich geb‘ keinen Fick auf Gravitation.
Ich finde mich wieder zwischen Höhen und Hohn
und nach einem Monat oder so
bin ich das Luxusleben gewohnt.
Ich besitze alles: schwarze, braune, gelbe, weiße.
Mein ist sogar deine Scheiße,
und will ich später Kinder haben,
kauf ich einen Kindergarten.
Mir gehören alle Arten und Wesen,
Ich geh auch gern golfen im Garten Eden.
Ich kaufe nicht nur, was Menschen so brauchen,
Ich kaufe mir alles und vom Rest geh ich saufen,
ich torkele lallend in meiner Villa rum
und Alkohol frisst die Erinnerung.
Vergessene Geschichte wiederholt sich irgendwann,
irgendwann ist jeder dran.
Wer sich etwas aneignet, das ihm nicht zusteht, der hat nicht viel.
Ich bin Ikarus, für die Unmöglichkeit des Fliegens hier das Fallbeispiel,
denn was am Ende bleibt, ist alles,
nur keine Menschlichkeit
und ich scheitere.

Also fange ich von vorne an,
in Ungeduld des jugendlichen Sturm und Drang
möcht‘ ich nur in Liebe leben, alles und das Leben lieben,
Zähne zeigen, lächeln und mit Blumen durch die Gegend ziehen.
Denn ich bin der Liebespanzer, ich will massenhaft Hass überfahren.
Dresden Montagabend, beste Zeit zum Nazis Umarmen.
Dem krankhaft asozialen Hass schieß ich das SS kaputt.
Das war bis jetzt mein bester Schuss
und jetzt ist Schluss.
Es liegen da das H und A.
Daraus mach ich Hafenstadt,
mit all den ach so andern Menschen wird sie farbig angemalt und aufgebaut
und alle packen an.
jedes winzig kleine Trümmerteil wird aufpoliert auf Klarlackglanz
und als festes Fundament fruchtbar angepflanzt.
Denn wir wissen es besser,
wir leben nach Fünfundvierzig.
Erst mit allen Zutaten wird die Suppe würzig.
Ich ziehe zügellos zielvoll umher in den Landen,
treffe den einen oder anderen Bekannten
und wir machen gemeinsam heilsame Sachen.
Wir spenden Nahrung, Hoffnung, was nicht noch,
basteln Vasen und Werkzeug aus Kalaschnikows.
Wir verzeihen einander nach einer Streiterei,
tanzen im Takt, klatschen uns ab
und einvernehmlich Ficken ist die einzige Reiberei.
Plötzlich gibt es keinen Grund zum Dissen,
will meinen Mund wund küssen
und die weiße Fahne hissen.
So Friede ich, was ich verdiene,
Denn Kriegen ist und war keine Alternative,
und wird es niemals sein.
Den größten Kampf führe ich in mir,
doch zum Friedenschließen brauchst du nur dich allein.
Sei dazu bereit, sei nicht übereilt,
und vergiss nicht dabei:
Wahre Freude ist ausschließlich echt, wenn man sie teilt.